Vermietete Immobilien – So finanziert sich Ihre Wohnung von selbst

Der Wohnungsmarkt boomt. Doch kann sich eine Immobilie, die ich vermiete, fast von selbst finanzieren? Sie kann – und hier steht, wie das geht.
Wohungen und Häuser sind gefragt wie seit langem nicht mehr. Die Preise steigen. Platzt hierzulande also bald einen Immobilienblase? Nein, sagen Experten, weil es keine Blase gibt. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln belegt: Trotz extrem niedriger Zinsen ist weder eine expansive Kreditvergabe noch eine sehr hohe Kauf- und Wiederverkaufsrate zu beobachten. Das bestätigt auch Jens-Ulrich Kießling, Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD): „Von einer viel zitierten Blasenbildung kann in Deutschland keine Rede sein. Die Preisanstiege sind Bestandteil eines längst überfälligen Aufholprozesses der deutschen Wohnungsmärkte.“ Investoren können also kaufen, müssen aber Spielregeln beachten – und können dann Nachsteuerrenditen von mehr als vier Prozent nach Steuern erzielen. Wo ist das derzeit sonst drin? Der Clou: Der Vermögensaufbau kann sich mit minimalem eigenem Aufwand finanzieren, wenn ein sehr solventer Investor das Projekt ohne Eigenkapital finanziert.

Für das Projekt Mietimmobilie gelten die alten Immobilien-Grundsätze: „Die Lage des Objekts ist neben dem Zustand, der Ausstattung und der Vermietbarkeit ein entscheidendes Kriterium für die dauerhaft gute Rendite“, sagt Steuerberater Daniel Frischkorn von Ecovis in Berlin. „Eine Immobilie sollte sich grundsätzlich auch ohne Steuerersparnis rechnen – dieser Steuervorteil sollte netter Nebeneffekt sein, nicht aber nötige Voraussetzung“, so der Experte.

Strukturschwache Gebiete sind für ein Investment nicht empfehlenswert. Dort ist das Risiko einer leer stehenden Wohnung besonders hoch, selbst wenn dort die Kaufpreise attraktiv erscheinen. Bereits ein oder zwei fehlende Monatsmieten können sich als Renditekiller für das laufende Jahr erweisen. „Für den Erfolg und die Höhe der Rendite ist ein guter Mieter maßgebend“, erklärt Frischkorn. „Den finanziellen Hintergrund des Mieters sollten Vermieter daher genau prüfen.“ Besonders interessant für Kapitalanleger sind wirtschaftlich starke Großstädte und Universitätsstädte, bei denen eine starke Verknappung des Wohnangebots zu Preissteigerungen führt, etwa München, Hamburg oder Münster.

Kapitalanleger sollten aktuelle Wohntrends ins Kalkül ziehen. Ein-Personen-Haushalte erhöhen Bedarf und Anforderungen an Wohnraum drastisch. Die letzte Erhebung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung im Jahr 2010 hat gezeigt: In Deutschland bestehen etwa 40,5 Millionen Haushalte. Lebten im Jahr 2000 nur 30 Prozent aller Deutschen allein, so waren es zehn Jahre später bereits 40 Prozent – und dieser Trend hält an. Der Bedarf an Wohnraum mit 60 bis 70 Quadratmetern wird künftig weiter wachsen. Clevere Anleger investieren daher in Eigentumswohnungen dieser Größe, die in einer wirtschaftlich starken Region mit sehr guter Infrastruktur in möglichst ruhiger, aber zentrumsnaher Lage liegen. Renditesicherheit bringen zudem moderne Wohnimmobilien ohne größeren Renovierungsaufwand oder energetischen Sanierungsbedarf.

Gehaltsausfall einkalkulieren

Bei der Finanzierung des Kaufpreises gilt: Für ein Hypothekendarlehen prüfen die Banken die finanzielle Situation des Investors ganz genau. Wie viel Geld die Bank leiht, hängt dabei nicht nur von den Vermögensverhältnissen ab, sondern auch von Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, Alter und Familienstand. Eine 100-Prozent-Finanzierung kostet im Vergleich zur üblichen Finanzierung von 60 bis 70 Prozent des Beleihungswerts der Immobilie etwa 0,4 bis 1,2 Prozentpunkte mehr. „Anleger sollten ihre Mittel und Möglichkeiten realistisch einschätzen und auch Gehaltsausfallrisiken wegen Arbeitslosigkeit, Mutterschutz oder Krankheit überbrücken können“, mahnt Frischkorn.

In Zeiten niedriger Zinsen wie derzeit sollten Kreditnehmer in eine schnelle Schuldenfreiheit investieren. Als Faustformel gilt: Hoch und schnell statt niedrig und lang. Je höher der Tilgungsanteil – zwei oder mehr Prozent -, desto geringer ist am Ende der Zinsbindungsfrist, die zehn, besser 15 Jahre betragen sollte, die Höhe der Restschuld, und desto weniger Zinsen werden fällig.

Ohne eigenes Geld geht es auch

Selbst der Kauf einer Immobilie ohne Eigenkapitaleinsatz kann sich so rechnen. Die Finanzierung ist nicht riskanter als eine Finanzierung mit 20 oder mehr Prozent Eigenkapital. Voraussetzung: Die monatlichen Raten sind langfristig tragbar. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ein Kapitalanleger bei einem späteren Verkauf der Immobilie unter Umständen nicht den Preis erzielt, mit dem er die Finanzierung vollständig zurückzahlen kann. Meist ist es aber kein Problem, mit einer Anschlussfinanzierung die Immobilie zunächst weiterzubezahlen. Dabei besteht nur die Gefahr, dass die Zinsen höher sind als heute. Dieses Risiko ist gebannt, sofern der Anleger finanziell in der Lage ist, auch eine höhere Anschlussrate stemmen zu können.

„Kapitalanleger sollten niemals die Katze im Sack kaufen“, resümiert Frischkorn. Immer sollte eine solide Liquiditätsplanung über 15 Jahre aufgestellt werden. In die Gesamtberechnung fließen auch Nebenkosten wie etwa Notargebühren, Grunderwerbsteuer, Verwalterkosten sowie Rücklagen für Reparaturen ein. Wer diese Spielregeln beachtet, wird an der Wertentwicklung des Objekts seine Freude haben.

 

Von:

http://www.focus.de/immobilien/kaufen/tid-27761/kapitalanlage-wohnung-frei-haus_aid_841613.html