US-Immobilienmarkt: Der neue Baumboom

Die Erholung auf dem US-Immobilienmarkt treibt den Preis für Bauholz nach oben. Auch eine Käferplage ist daran aber nicht ganz unbeteiligt. Über den Boom eines exotischen Investments.

Die Meldung hatte ausgereicht, um die Börsen mit einem Freudensprung reagieren zu lassen: Die Daten vom US-Häusermarkt zeigten zum ersten Mal seit Langem wieder eine positive Tendenz. Schließlich gilt dieser Markt als wichtiger Wirtschaftsindikator.
Dabei kam die Nachricht gar nicht überraschend. Schließlich hatte bereits ein anderer Preis darauf hingedeutet, dass es bei US-Immobilien wieder aufwärtsgeht: Der Preis für Bauholz ist an der Börse in Chicago zuletzt auf 316 Dollar je 1000 Board Feet gestiegen, das ist ein Anstieg seit Jahresbeginn um 20 Prozent. Von den 24 im Rohstoffindex S&P GSCI geführten Rohstoffen legten nur Soja und Weizen stärker zu. Ein Board Foot ist ein amerikanisches Holzmaß. Es steht für ein Brett, das 30,5 Zentimeter lang, 30,5 Zentimeter breit und 2,54 Zentimeter dick ist.
Die Krise auf dem Immobilienmarkt war bekanntlich ein entscheidender Auslöser für die weltweite Finanzkrise. Da in den USA ein Großteil der Häuser aus Holz gebaut wird, brach auch der Markt für Bauholz ein. Nun scheint der Wind nach oben zu drehen: Die Verkaufserwartungen der US-Hausbesitzer sind zum ersten Mal seit September 2007 wieder positiv, die Zahl der Baubeginne ist auf ein Vier-Jahres-Hoch geklettert. Der Häusermarkt zeige Lebenszeichen und könne einer der entscheidenden Träger eines Wirtschaftsaufschwungs sein, sagte John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of San Francisco, vor wenigen Tagen.
 
Inzwischen arbeiten die nordamerikanischen Sägewerke wieder auf dem Niveau von 2008. Der Canadian Imperial Bank of Commerce (CIBC) zufolge werden in diesem Jahr 52,5 Milliarden Board Feet Bauholz gesägt, ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2014 soll die Nachfrage auf 60 Milliarden Board Feet steigen.
Das US-Marktvolumen beträgt laut der Bank 20 Mrd. Dollar, es ist der größte Bauholzmarkt der Welt. Auch ein jüngster Nachfrageeinbruch aus China kann durch ein Wachstum beim Hausbau überkompensiert werden. Für ein typisches amerikanisches Haus werden 16.000 Board Feet benötigt. Patricia Mohr, Rohstoffanalystin bei der Scotiabank, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass ein sehr enges Angebot bevorstehe: “Ich habe das Gefühl, dass wir im kommenden Jahren sehr hohe Holzpreise sehen werden, selbst wenn der US-Häusermarkt sich nur langsam erholt.”
Nutznießer des hohen Holzbedarfs sind auch Unternehmen wie Weyerhaeuser: Die Aktie des Forstwirtschaftskonzerns stieg seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent, Analysten erwarten in diesem Jahr ein Gewinnplus von mehr als 40 Prozent.
Die steigende Nachfrage der Häuslebauer ist aber nicht der einzige Grund für höhere Preise: Zudem sorgt eine Käferplage in Kanada, dem weltgrößten Produzenten für Bauholz, für weiteren Auftrieb. Daten der Beratungsfirma International Wood Markets Group zeigen, dass im Sommer 2011 51 Prozent der Nutzkiefernwälder in British Columbia, der Holzprovinz des Landes, durch den Bergkiefernkäfer zerstört worden sind. Die Regierung spricht von der schlimmsten Insektenplage aller Zeiten.
 
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