Sind Mietnomaden ein echtes Problem?

Ob im Fernsehen, im Netz oder in Zeitungen – das Thema Mietnomaden wird immer wieder heiß diskutiert. Zuletzt wurde dem Vermieter das Vorgehen gegen unliebsame Mieter dank des Mietrechtsänderungsgesetzes erleichtert. Doch wie drängend ist dieses Problem tatsächlich und wie kann sich der Vermieter effektiv gegen Mietnomaden schützen?

Mietnomaden, also Mieter die keine Mietzahlungen mehr leisten und dementsprechend häufig ihre Wohnung wechseln müssen, sind nicht zwingend auf den ersten Blick zu erkennen. Manche fahren mit teuren Autos vor, tragen elegante Kleidung und vermitteln so einen solventen Eindruck. Entpuppen sich der Bewohner dann als Mietnomade, bleibt  der Vermieter – sofern der Mietnomade aus der Wohnung auszieht – am Ende oftmals auf den Kosten für Renovierungsarbeiten für die oftmals heruntergekommenen Wohnungen sitzen.

Allerdings: Mietnomaden sind offenbar viel seltener als bislang vermutet. Von circa 22 Millionen Mietverträgen soll es sich bei geschätzten 10.000 bis 15.000 um Mietnomaden handeln, so der Eigentümerverband. Damit können weniger als 1% der Mieter als Mietnomaden bezeichnet werden. Laut dem Berliner Mieterverein gibt es nur etwa 1000 Fälle von Mietnomadentum pro Jahr, die vor Gericht verhandelt werden. Das Problem ist demnach zumindest weniger umfangreich, als vielfach angenommen. Dennoch: Betroffenen Vermietern nutzen diese Statistiken weniger.

Mietnomaden – ein gefürchtetes Phantom

Doch der öffentliche entstandene Eindruck zur Problematik ist dennoch ein anderer. Die Ursache hierfür liegt häufig im großen Interesse der Medien an solch brisanten Fällen, wo etwa Mietnomaden ein ganzes Haus verwüstet haben und der Vermieter am Ende in einer groß angelegten Medieninszenierung für Tausende von Euros Messie-Müll wegräumen muss. Dass es sich hierbei allerdings um eine verschwindend geringe Anzahl an Mietern handelt, die schließlich Millionen Mieter in Verruf geraten lässt, wird oft vergessen.

Im Schnitt richtet ein Mietnomade einen Schaden von 30.000 an, wobei der Gerichtsprozess sich häufig bis zu 2 Jahre ziehen kann. Allerding sollte der Vermieter nicht vorschnell urteilen: Nicht jeder Mieter, der einen Monat lang seine Miete nicht zahlen konnte, zählt gleich als Mietnomade. Hier gilt es auch für die Vermieter, dass die finanzielle Lage des Mieters berücksichtigt werden muss. Eine fristlose Kündigung aufgrund von ausstehenden Zahlungen ist ohnehin erst nach Ausfällen ab zwei Monaten möglich. Selbst bei mehrmonatigen Zahlungsausfällen kann selten ein Vorsatz nachgewiesen werden, so dass viele Verfahren ohnehin eingestellt werden.

Wie man sich als Vermieter gegen Mietnomaden schützen kann

Den besten Schutz gegen Mietnomaden bietet eine ausführliche Selbstauskunft des Mieters vor Unterzeichnung des Mietvertrages. Hierzu zählen z.B. die Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, die vom Vermieter ausgestellt werden muss,  sowie die Gehaltsnachweise und die Schufa-Auskunft. Alternativ können auch Überweisungsbelege der gezahlten Miete überreicht werden. Selbstverständlich kann sich der neue Vermieter auch persönlich beim alten Vermieter über den zukünftigen Mieter erkundigen.

Finanziellen Schutz bietet auch eine Mietnomadenversicherung, die den Vermieter vor zu hohen Kosten schützen kann. Dabei wird ein Großteil der entstandenen Schäden von der Versicherung übernommen.

Mit dem neuen Mietrechtsänderungsgesetz hat die Bundesregierung zudem die Möglichkeit geschaffen, Mietnomaden durch die “Berliner Räumung” schneller aus der Wohnung zu bekommen.

 

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