Drastischer Mangel an Wohnraum – In Großstädten fehlen pro Jahr Zehntausende Wohnungen

In Berlin, Hamburg und München fehlen nach FOCUS-Informationen jedes Jahr zusammen mehr als 30 000 Wohnungen – so viel wie eine ganze Kleinstadt. Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich Hilfe vom Gesetzgeber.
Der Wohnungsmangel in deutschen Großstädtenist größer als bislang gedacht. Wie eine Erhebung des Berliner Immobilieninstitutes Empirica im Auftrag des FOCUS ergab, besteht derzeit eine dramatische Diskrepanz zwischen der Zahl der fertig gestellten Wohnungen und dem tatsächlich benötigten Neubaubedarf:

In Berlin fehlen jährlich 17 260 Neubau-Wohnungen, in Hamburg 7000 und in Köln sind es 5000 Wohnungen. Gebaut wurden in diesen Städten zuletzt jeweils weniger als 3 300 Wohnungen pro Jahr.

Hamburgs regierender Bürgermeister Olaf Scholz geht sogar davon aus, dass in der Hansestadt die Wohnungslücke auf die vergangenen Jahre bezogen noch größer sein könnte. „Ich schätze, dass in Hamburg heute gut 30 000 Wohnungen fehlen“, sagte der SPD-Mann dem FOCUS.

Deutsche wollen Mietpreise per Gesetz deckeln

In München werden laut Empirica im Vergleich zu anderen Großstädten die meisten Wohnungen gebaut: Zwar fehlten derzeit auch dort 7800 Wohnungen pro Jahr. Gleichzeitig nehme München mit 6000 Fertigstellungen pro Jahr eine Vorbildfunktion ein.

Angesichts steigender Mietpreise plädiert die Mehrheit der Deutschen für eine staatliche Regulierung der Mieten. In einer Emnid-Umfrage für FOCUS wünschten sich 55 Prozent der Befragten, dass die Höhe von Wohnungsmieten per Gesetz geregelt wird. 42 Prozent der Deutschen sind dafür, dass sich der Mietpreis frei über Angebot und Nachfrage bestimmt. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid Usuma befragte für FOCUS am 13. und 14. März 1006 repräsentativ ausgewählte Personen.

Bayerischer Innenminister will den Bund in die Pflicht nehmen

Die Bauminister der Länder sollten sich bei ihrer heutigen Sitzung nach Meinung des in Bayern zuständigen CSU-Innenministers Joachim Hermann für den Sozialen Wohnungsbau einsetzen. „Der Bund will sich hier in den nächsten Jahren zurückziehen. Das ist aus meiner Sicht völlig unakzeptabel. Darum wird es heute darum gehen, dass alle Länder gemeinsam den Bund nachträglich auffordern, die Mittel in den nächsten Jahren mindestens auf der bisherigen Höhe zu halten“, sagte Herrmann im Bayerischen Rundfunk.

Herrmann erinnerte daran, dass der Freistaat beschlossen habe, die Landesmittel für diesen Zweck noch einmal um 50 Millionen aufzustocken. „Wir brauchen gerade auch die soziale Wohnraumförderung, damit Leuten mit eher geringem oder mittlerem Einkommen zahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann“. Hinzu komme, dass in den letzten Jahren die Anreize zum Wohnungsbau insgesamt zu gering gewesen seien.

„Es gab früher steuerliche Anreize, bessere Abschreibungsmöglichkeiten für Firmen, die ihr Geld im Wohnungsbau angelegt haben“ Der Bund habe diese steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten 2005 abgeschafft. „Es ist unübersehbar, dass seitdem der Wohnungsbau noch weiter nach unten gegangen ist. Deshalb müssen wir jetzt genau da wieder ansetzen“, so Herrmann.
 
 
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